Selbstverteidigungswaffen

Selbstverteidigungswaffen

Abwehrsprays, Elektroschocker, Schlagstöcke und andere Selbstverteidigungswaffen – sinnvoll, effektiv und legal?

Immer wenn man von Selbstverteidigung spricht kommt selbstverständlich auch das Thema Selbstverteidigungswaffen auf. Es ist natürlich verständlich, dass man nach irgendwelchen einfachen, universellen Lösungen sucht, etwas das jeder frei erwerben kann, nicht viel kostet, man steckt es in die Tasche und kommt irgendwann einmal tatsächlich der böse Angreifer, wird der schon sein blaues Wunder erleben. Aber wie heißt es doch so schön, „wenn etwas zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist es meist auch so“.

In der Tat habe ich hier so meine Bedenken, wenn es um Selbstverteidigungswaffen geht, zum einen aus rein praktischer Perspektive, da ich die Gelegenheit hatte die meisten dieser Waffen im Einsatz und Training zu testen, zum anderen gibt es aber auch aus rechtliche Gründe die gegen die eine oder andere Waffe sprechen. Ein gutes Beispiel ist der  Schlagstock, eine recht verbreitete Waffe, gerne sowohl von Polizeibeamten und Sicherheitsdiensten, aber ebenso von kriminellen genutzt, vor allem der sogenannte Teleskop Schlagstock den man auf Grund der kleinen Dimensionen im zusammengeklappten Zustand recht gut verstecken kann. Theoretisch ist das eine recht effektive Waffe, die ich allerdings als eine typische Männerwaffe einstufen würde und die auch entsprechende Übung vorrausetzt. Davon abgesehen, ist die rechtliche Situation hier für viele etwas verwirrend, man kann Schlagstöcke zwar frei ab 18 Jahren erwerben, das „Führen“, ist in der Öffentlichkeit für Zivilpersonen aber verboten und wird in der Regel mit einer Geldstrafe geahndet. Der Einsatz eines Schlagstockes zu Verteidigungszwecken ist zudem grundsätzlich verboten und bei gefährlicher Körperverletzung kann es zu strafrechtlichen Folgen kommen mit einem Strafmaß von 3 Monaten bis zu 5 Jahren! Hier gibt es allerdings auch eine Ausnahmeregelung die besagt, dass das Führen solcher Waffen im Zusammenhang mit der Berufsausübung erlaubt ist, also z.B. für Sicherheitsdienste, bedarf aber einer vorherigen Genehmigung. Ebenso gilt für den Transport, auf der Fahrt zum Training oder zur Arbeit, dass sich die Waffe in einem verschlossenen Behältnis befinden muss, Beispielsweise im verschlossenen Handschuhfach im Fahrzeug oder Kofferraum, wodurch man keinen unmittelbaren jederzeitigen Zugriff auf die Waffe hat.

Letztendlich bedeutet dies, dass man als Zivilperson, wenn überhaupt, einen Schlagstock nur zu Hause zur Notwehr verwenden kann. In einer Selbstverteidigungssituation in der Öffentlichkeit kann man sich zwar eventuell auch erfolgreich damit verteidigen, muss aber später auch mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Hier gilt besonders eine Grundregel der Notwehr zu beachten, und zwar ist die Verhältnismäßigkeit der Verteidigung die angemessen sein muss, d.h. dass der angerichtete Schaden nicht größer sein darf als der der einem selbst gedroht hat. Falls das dem einen oder anderen noch nicht klar genug ist, man kann also niemand mit einem Schlagstock niederknüppeln, weil dieser einen beleidigt hat oder einem eine Ohrfeige gegeben hat. Zur Abwehr eines Messerangriffs wäre der Schlagstock sehr effektiv und unter Umständen auch angemessen solange durch das Messer unser Leben bedroht ist, entwaffnet man aber den Gegner erfolgreich darf man natürlich nicht weiter auf Ihn einschlagen, dies nur zur Klarstellung. 

Zu Elektroschockern gilt zu sagen das Air Taser, sprich Modell Varianten die mit einer Reichweite von 3-4 Metern drahtgebundene Elektroden abfeuern in Deutschland verboten sind und nicht legal erworben werden können. Das ist bedauerlich da dies wirklich eine der effektivsten „Non lethal“ Selbstverteidigungswaffen darstellt. Normale Elektroschocker wirken aber nur im direkten Körperkontakt und führen eigentlich nur zu temporärem Kontrollverlust betroffener Muskelgruppen durch die der Strom fließt, im Prinzip kommt es eigentlich zu einer Muskelverkrampfung. Hat der Angreifer z.B. eine gute Lederjacke an, ist der Effekt schon sehr viel geringer, auch ist es allgemein nur wirklich effektiv, wenn man gezielt empfindliche und unbedeckte Körperstellen erreichen kann wie z.B. den Hals. In der Praxis hört man das bei Verteidigungsversuchen der Elektroschocker aber oft entrissen und dann gegen den Verteidiger verwendet wird. Auf Verpackungen und in der Werbung wird gerne mit dramatisch klingenden Ziffern geworben, 500.000 Volt, 750.000 Volt,… Das klingt natürlich als ob der Gegner wie bei einer Starkstromleitung bei Berührung in Bruchteilen von Sekunden zu Asche verbrannt wird, aber die Wahrheit ist eben das nicht die Spannung in hundert Tausenden Volt, sondern der Strom, gemessen in Amper entscheidet wie gefährlich das Gerät für den menschlichen Körper ist. Wundert es jetzt jemanden das diese Geräte von einer 9V Blockbatterie betrieben werden und die Stromstärke in Milliampere bemessen ist und daher natürlich ungefährlich ist. Zwangsläufig bedeutet das daher auch das es nicht sonderlich effektiv ist, hinzu kommt die Größe des Gerätes, die es nicht gerade einfach macht einen Elektroschocker immer griffbereit in der Tasche zu tragen, wenn man zum Auto läuft. Hier ein Video zur effektivität eines Elektroschockers.

Mit Abwehrsprays habe ich ähnlich fragwürdige Erfahrungen gesammelt. CS Gas ist eine Chemische Substanz die in Deutschland für Selbstverteidigung zugelassen, aber auf Grund seiner Wirkungsweise meiner Meinung nach völlig ungeeignet ist. Die Wirkung des CS oder auch sogenannten „Tränengases“ setzt erst langsam ein und braucht ca. eine Minute bis es zur vollen Wirkung kommt, diese ist vorwiegend starkes Tränen der Augen und ein Reizen der Atemwege. Die langsame Wirkungszeit ist aber nicht das größte Problem, sondern die Tatsache das es bei bis zu 20% Leuten gar nicht wirkt, unter anderem bei Menschen die unter Drogeneinfluss stehen, usw. Ebenso wirkt es nicht gegen Tiere, dafür kann es aber langfristige Gesundheitsschäden verursachen und die Tatsache das es sehr feinstäubig versprüht werden muss, endet oft mit der Situation das im Umkreis von mehreren Metern alle Umstehenden ebenso die volle Wirkung des Tränengases abbekommen.

Pfefferspray

ist die viel bessere Variante die in Deutschland offiziell aber nur zur Abwehr von Tieren zugelassen ist! Kann man natürlich trotzdem zur Not zur Selbstverteidigung nutzen, ich denke auch nicht das da jemand nachher wirklich Probleme bekommt, wenn der Einsatz gerechtfertigt war. Pfefferspray basiert auf einer natürlichen Basis und wird aus „OC – Oleoresin Capsicun“ gewonnen, einem Extrakt auf der Basis von Chili Schoten. Im Gegensatz zu CS Gas, treten hier die Symptome sofort, bzw. nach wenigen Sekunden auf, die Augenlieder schließen sich für fünf bis zehn Minuten, beim Einatmen kommt es zu akuter Atemnot und die besprühten Stellen „brennen“. Dieses Abwehrspray ist gleichermaßen effektiv bei Menschen wie Tieren und wird in den USA und Kanada auch zur Abwehr von Bären eingesetzt. Ein ganz anderes Problem das ich mit Abwehrsprays allgemein habe, ist dass es eine Distanzwaffe ist mit einer großen Reichweite, normalerweise 3-4 Meter, kann je nach Modell und Hersteller sehr unterschiedlich sein, z.B. der Bär-Abwehrspray aus den USA schafft auch schon mal 15 Meter! Das setzt allerdings voraus, dass ich den Angriff vorhersehe, also wenn ein Angreifer unerwartet aus dem Gebüsch springt oder mich von hinten anspringt hilft das eben nichts. Ebenso ist der Einsatz bei Wind auch hier wieder riskant, es gibt aber auch Modelle die einen konzentrierten, flüssigen Strahl oder aber auch eine Gel-Masse versprühen, was bei professionellem Einsatz den Vorteil hat das man es gezielter einsetzten kann. Wie gesagt, kritisch sehe ich es, sich zu sehr auf ein Abwehrspray zu verlassen, obwohl es wirksam ist, relativ billig zu erwerben, frei verkäuflich und in jede Jackentasche passt, bleibt eben diese Problematik das man all diese Vorteile nur wirklich nutzen kann, wenn man einen Angriff tatsächlich vorhersehen kann. Jetzt stellt sich mir die berechtigte Frage, kann man das denn? Ich habe in Facebook Diskussionen schon mehrfach von Fällen gehört wo jemand aus Angst und Unsicherheit plötzlich grundlos sein Pfefferspray zückt und los sprüht, weil man hinter Ihm herläuft. Autsch… Hier sei auch bemerkt, dass die Folgen der Reaktion auf Pfefferspray z.B. für Asthmatiker und angeblich auch für Leute unter gewissen Drogeneinflüssen eventuell sogar tödlich sein können. Jeder Einsatz gegen einen anderen Menschen muss daher gerechtfertigt sein da man sich sonst leicht rechtlich im Aus befindet und einer zivilrechtlichen Klage entgegensieht sollte das nicht der Fall sein, oder sogar wegen gefährlicher Körperverletzung bestraft werden kann, sofern kein Rechtfertigungsgrund wie Notwehr oder Nothilfe vorliegt (§§ 32 ff. StGB).

Eine Schreckschusswaffe ist prinzipiell keine gute Idee. Vorzutäuschen man könne sich mit etwas verteidigen ist ein „Bluff“, dessen Ausgang man vielleicht lieber nicht wirklich testen möchte. Persönlich kann ich die Idee zwar nachvollziehen, man zieht eine Waffe aus der Tasche und der Angreifer rennt jetzt panisch um sein Leben, aber das ist eben ein Glücksspiel. Die Reaktion kann auch ganz umgekehrt sein, in seiner Panik sticht er plötzlich mit dem Messer zu oder falls er mit einer Feuerwaffe bewaffnet ist, wird man erschossen. Das ist für mich so wie wenn man in einem Raum voller „Hells Angels“ schreit man kann Karate. Good luck…

Die gefährlichste Waffe die man auf der Straße antrifft ist meiner Meinung nach klar ein Messer! Es gibt Menschen die zu Ihrer eigenen Verteidigung auch Messer mit sich tragen, obwohl ich diese Tradition mehr aus dem südlichen Raum kenne, den ich unter anderem auch meine Heimat nenne. Ich bin persönlich ein strikter Gegner von dieser, ebenso auch jeder anderen „tödlichen“ Form von Verteidigung. Ich habe zwar jahrelang mit Waffen trainiert, sehe aber im zivilen Aspekt, also der reinen Selbstverteidigung auf der Straße nicht das Bedürfnis tödliche Waffen mit mir zu tragen, weder Messer noch Schusswaffe. Obwohl die Wahrscheinlichkeit das man bei einem Angriff mit einem Messer konfrontiert wird nicht gering ist und auch in Anbetracht der Tatsache das der Angreifer der mir gegenübersteht wohl keine moralische Blockade hat dies auch zu benutzten, weigere ich mich selbst nur in Gedanken so weit zu gehen das ich mit einer potenziellen Absicht auf die Straße gehe, jemanden zu töten. Trägt man eine Waffe, wird man sie instinktiv auch benutzen! Das selbe rate ich auch jedem anderen, letztendlich ist aber jeder selbst für seine Taten verantwortlich.

So dies war mal ein kleiner Überblick an üblichen Verteidigungswaffen, wie man aus dem Text erkennen kann bin ich kein großer Befürworter von Selbstverteidigungswaffen allgemein, zumindest nicht von diesen allgemein als „populär“ gepriesenen. Im Notfall kann vieles als Waffe genutzt werden, ein Schlüsselbund ist z.B. mein persönlicher Favorit, ein Kugelschreiber, das Handy, ein Gürtel und wenn eine Waffe dann z.B. ein Kubotan, das ist ein kurzer Stock der auf beiden Seiten etwas aus der Faust herausragt und zum Schlagen oder Stoßen verwendet werden kann. Macht sich aufgrund der kompakten Größe auch gut als Schlüsselanhänger, ist also praktisch immer griffbereit, aber zum Thema improvisierte Selbstverteidigungswaffen werde ich in meinem nächsten Beitrag tiefer eingehen. Ich hoffe die Informationen waren nützlich, für Anregungen und Kommentare bin ich immer offen.

Passt auf euch auf!

LG Renato Skofac

rskofac

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